Erste Hilfe bei Stromunfällen — die ersten zwei Minuten

Warum Eigenschutz vor Helfen kommt und was danach zählt

Ein Mechaniker arbeitet an einem Hybridfahrzeug. Ein Elektriker greift an eine Schaltanlage, die angeblich freigeschaltet war. Ein Lagerist berührt ein defektes Ladegerät.

In allen drei Fällen entscheiden die ersten zwei Minuten. Und in allen drei Fällen ist der erste Reflex oft der falsche.

Warum Stromunfälle anders sind

Bei den meisten Notfällen im Betrieb hilft man sofort. Bei einem Stromunfall gilt das Gegenteil. Die erste Regel lautet nicht helfen, sondern nicht selbst zum zweiten Opfer werden.

Solange die Spannung anliegt, darf niemand an die verunfallte Person heran. Wer sie anfasst, schliesst den Stromkreis über den eigenen Körper. Das klingt selbstverständlich und geht im Schreck regelmässig vergessen. Genau deshalb steht der Eigenschutz in jedem seriösen Kurs an erster Stelle.

Was Eigenschutz konkret bedeutet

Eigenschutz heisst mehr als Abstand halten. Er heisst, die Lage zuerst einzuschätzen, die Unfallstelle abzusichern und sich der Person erst zu nähern, wenn die Spannung sicher weg ist.

Im Niederspannungsbereich schaltet man ab, zieht den Stecker oder betätigt den Notaus. Bei Hochspannung und bei Hochvoltsystemen im Fahrzeug reicht das nicht. Dort gelten eigene Abläufe, und die muss man vorher kennen, nicht im Ernstfall nachschlagen.

Auch wer ansprechbar ist, gehört zur Kontrolle

Strom kann Herzrhythmusstörungen auslösen, die man von aussen nicht sieht und die nicht sofort auftreten müssen. Eine Person kann nach einem Stromschlag ansprechbar sein, keine sichtbare Verbrennung zeigen und trotzdem gefährdet sein.

Dazu kommen innere Verletzungen entlang des Strompfads. Der Strom nimmt den Weg durch den Körper, und was er dabei anrichtet, zeigt sich an den beiden kleinen Marken an Ein- und Austrittsstelle nicht.

Die Regel ist deshalb einfach. Nach einem Stromschlag geht die betroffene Person zur ärztlichen Kontrolle, auch wenn sie sich gut fühlt.

Hochvolt in der Werkstatt ist ein eigenes Thema

In Garagen und Werkstätten hat sich die Lage mit Elektro- und Hybridfahrzeugen verändert. Hochvoltsysteme arbeiten mit Spannungen, bei denen die üblichen Reflexe nicht mehr genügen.

Wer dort arbeitet, muss wissen, wie ein Fahrzeug freigeschaltet wird, woran man erkennt, dass es tatsächlich spannungsfrei ist, und was im Notfall zu tun ist. Dazu gehört auch das Wissen, dass ein Hochvoltspeicher nach einem Unfall noch Energie führt und sich verzögert entzünden kann.

Wie schnell Akkus im Betrieb zum Thema werden, zeigt auch unser Beitrag dazu, wann Batterien Gefahrgut werden.

Was im Notfall der Reihe nach passiert

Der Ablauf ist immer derselbe, egal in welcher Branche.

  • Gefahr erkennen und die Unfallstelle absichern
  • Spannung ausschalten oder sicherstellen, dass sie weg ist
  • Bewusstsein und Atmung prüfen
  • Rettungsdienst alarmieren
  • Lebensrettende Sofortmassnahmen einleiten
  • Verbrennungen versorgen und die Person bis zum Eintreffen der Rettung betreuen

Diese Reihenfolge klingt banal, bis man sie unter Stress abrufen muss. Darum trainiert der Workshop sie an realistischen Szenarien statt nur am Flipchart.

Reanimation und AED gehören dazu

Führt ein Stromunfall zum Herz-Kreislauf-Stillstand, zählt jede Minute. Eine sofort begonnene Reanimation hält den Kreislauf in Gang, bis professionelle Hilfe eintrifft.

Der automatisierte externe Defibrillator, kurz AED, unterstützt dabei die Wiederherstellung des Herzrhythmus und erhöht die Überlebenschancen deutlich. Er ist so gebaut, dass ihn auch Laien bedienen können. Trotzdem zögern viele, weil sie das Gerät nie in der Hand hatten. Genau das ändert eine Übung.

Warum wir den Workshop nach Branchen trennen

Ein Stromunfall in der Autowerkstatt läuft anders ab als einer in der Lebensmittelproduktion, im Recycling oder auf dem Bau. Andere Geräte, andere Spannungen, andere Wege zur Unfallstelle, andere Rettungssituation.

Darum gibt es den Workshop Erste Hilfe bei Stromunfällen in mehreren Varianten. Die Inhalte bleiben dieselben, die Beispiele und Übungen kommen aus der jeweiligen Branche.

Die Varianten im Überblick

Jeweils ein halber Tag, im eigenen Betrieb, mit den Geräten und Anlagen, die Ihre Leute tatsächlich vor sich haben.

Was Ihre Leute danach können

Nach dem Workshop erkennen Ihre Mitarbeitenden elektrische Gefahren im Arbeitsalltag, schützen sich und andere vor weiteren Gefahren und führen eine strukturierte Notfallbeurteilung durch. Sie wenden die Erste-Hilfe-Massnahmen bei Stromunfällen korrekt an, versorgen Verbrennungen, führen eine Reanimation durch und setzen einen AED ein.

Geleitet wird der Workshop von asa-anerkannten Fachdozentinnen und Fachdozenten mit didaktischer Ausbildung mindestens auf Stufe SVEB 1. Medizinische Vorkenntnisse braucht niemand, die Kursunterlagen sind im Preis enthalten.

Erste Hilfe bei Stromunfällen im eigenen Betrieb

Sie möchten, dass Ihre Leute im Ernstfall wissen, was zuerst kommt und was auf keinen Fall?

Wir führen den Workshop bei Ihnen im Betrieb durch, abgestimmt auf Ihre Anlagen und Ihre Branche. Wenn Sie das Thema breiter angehen wollen, kombinieren wir ihn mit dem Workshop zur Arbeitssicherheit.

Zum Workshop Erste Hilfe bei Stromunfällen · Alle Workshops im Überblick

Hinweis. Dieser Beitrag ersetzt keine Ausbildung und keine betriebliche Gefährdungsbeurteilung. Welche Schutzmassnahmen in Ihrem Betrieb gelten, richtet sich nach Ihren Anlagen und den Vorgaben von Suva und EKAS.

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