Manche Ladungen passen nicht in die gesetzlichen Masse und Gewichte. Ein Transformator ist zu schwer, ein Brückenträger zu lang, ein Maschinenteil zu breit. Auch manche Fahrzeuge halten die Grenzwerte schon wegen ihrer Bauart nicht ein, etwa Arbeits- oder Raupenfahrzeuge. Solche Fahrten sind auf öffentlichen Strassen nur mit einer schriftlichen Bewilligung erlaubt.
Wer Ausnahmetransporte anbieten will, sollte die Regeln kennen. Seit dem 1. Juli 2026 gelten dafür teilweise neue Bestimmungen in der Verkehrsregelnverordnung (VRV). Dieser Beitrag zeigt, wann eine Sonderbewilligung nötig ist und was sie enthält. Der zweite Teil behandelt die Vorbereitung der Fahrt.
Die Höchstmasse und Höchstgewichte stehen im Strassenverkehrsgesetz und in der VRV. Ein Sattelmotorfahrzeug darf ohne Ladung höchstens 16,50 Meter lang sein, ein Anhängerzug 18,75 Meter (Art. 65 VRV). Die Breite ist auf 2,55 Meter begrenzt, bei klimatisierten Kühlaufbauten auf 2,60 Meter (Art. 64 VRV). Mit der Ladung darf ein Fahrzeug höchstens 4 Meter hoch sein (Art. 66 VRV). Das Betriebsgewicht von Sattelmotorfahrzeugen und Anhängerzügen beträgt höchstens 40 Tonnen, im unbegleiteten kombinierten Verkehr 44 Tonnen (Art. 67 VRV).
Wer einen dieser Werte überschreitet, braucht eine schriftliche Bewilligung (Art. 78 Abs. 1 VRV). Die Behörde erteilt sie aber nur aus bestimmten Gründen. Das Gut muss unteilbar sein und darf sich auch mit einem geeigneten Fahrzeug nicht vorschriftsgemäss befördern lassen. Ebenso möglich ist sie für Ausnahmefahrzeuge, die wegen ihres Zwecks die Vorschriften nicht einhalten können. Dazu kommen wenige Sonderfälle wie die Gegengewichte eines Krans (Art. 80 Abs. 1 VRV).
Für Export- und Binnenfahrten ist der Standortkanton zuständig oder der Kanton, in dem die Fahrt beginnt. Für Fahrzeuge im Dienst des Bundes sowie für Import- und Transitfahrten erteilt das ASTRA die Bewilligung (Art. 79 Abs. 1 VRV).
Die VRV kennt zwei Arten von Bewilligungen. Eine Einzelbewilligung gilt für eine oder mehrere bestimmte Fahrten. Eine Dauerbewilligung erlaubt beliebig häufige Fahrten (Art. 78 Abs. 1 VRV).
Werden Breite, Höhe oder Gewicht überschritten, gibt es grundsätzlich nur Einzelbewilligungen. In folgenden Fällen ist trotzdem eine Dauerbewilligung möglich (Art. 78 Abs. 2 VRV)
Bleibt ein Ausnahmefahrzeug innerhalb dieser Limiten, kann die Dauerbewilligung sogar im Fahrzeugausweis eingetragen werden (Art. 78 Abs. 2bis VRV).
Die Bewilligung gilt nur für bestimmte Fahrzeuge. Bei Ausnahmeanhängern wird sie auf den Anhänger ausgestellt und auf bestimmte Zugfahrzeuge beschränkt (Art. 82 Abs. 3 VRV). Ausserdem hält sie die bewilligten Masse und Gewichte fest, die Fahrstrecke und bei Einzelbewilligungen die Zahl der Fahrten.
Nicht jede Strasse, Brücke oder Ortsdurchfahrt verträgt einen Ausnahmetransport. Deshalb legt die Behörde die Strecke fest. Die Bewilligung muss auf jeder Fahrt dabei sein und bei Kontrollen vorgewiesen werden, auf Papier oder elektronisch. Ihre Anweisungen sind zwingend einzuhalten, und für Schäden haftet der Fahrzeughalter (ASTRA, Besondere Bestimmungen Sonderbewilligungen, Ziff. 2, 3 und 5).
Zudem ordnet die Behörde die Schutzvorkehren an, die für die Sicherheit des Verkehrs und den Schutz der Fahrbahn nötig sind (Art. 84 Abs. 1 VRV). Möglich sind etwa Begleitfahrzeuge, die mit gelben Gefahrenlichtern ausgerüstet sein dürfen (Art. 110 Abs. 3 Bst. b VTS), oder eine Begleitung durch die Polizei. Was im Einzelfall gilt, steht in der Bewilligung.
Bis zu bestimmten Grenzen kann die Bewilligung für die ganze Schweiz gelten. Das Fahrzeug darf dann höchstens 30 Meter lang, 3 Meter breit und 4 Meter hoch sein und höchstens 44 Tonnen wiegen. Je Achse sind höchstens 12 Tonnen erlaubt. Befahren werden dürfen nur Durchgangsstrassen nach der Durchgangsstrassenverordnung und die Ortschaften an diesen Strassen (Art. 79 Abs. 2 VRV).
Ist ein Transport grösser oder schwerer, erteilt jeder betroffene Kanton die Bewilligung für sein Gebiet oder stimmt der Bewilligung des ASTRA zu (Art. 79 Abs. 4 VRV). Für Nationalstrassen braucht es dann zusätzlich die Zustimmung des ASTRA. Ausgenommen sind Strecken und Bauwerke, die das ASTRA generell freigegeben hat (Art. 79 Abs. 5 VRV).
Mit der Revision vom 1. Juli 2026 ist die frühere Sonderregel weggefallen, nach der auf der Autobahn ausnahmsweise 50 Tonnen bewilligt werden konnten. Laut den Erläuterungen des UVEK können manche Bauwerke auf dem Nationalstrassennetz nur bis 44 Tonnen befahren werden.
Vor dem Entscheid braucht es oft die Zustimmung weiterer Stellen, etwa der Kantone entlang der Strecke. Das kostet Zeit, deshalb lohnt sich ein frühes Gesuch. Wer mit Übermass oder Übergewicht aus dem Ausland einreist, muss das Gesuch spätestens sieben Arbeitstage vor der Fahrt beim ASTRA stellen (ASTRA-Weisungen Grenzübertritt, Ziff. 4.2.2). Gesuche an das ASTRA laufen über das Onlineportal Sonderbewilligungen.
Eine erteilte Bewilligung darf nicht abgeändert werden (ASTRA, Besondere Bestimmungen, Ziff. 1). Muss die Strecke wegen einer Sperrung wechseln, braucht die Ausweichroute deshalb eine neue Zustimmung der Behörde. Planen Sie ausserdem die Hauptreisetage ein. An diesen Tagen sind mehrere Nationalstrassenabschnitte für Transporte über 3 Meter beziehungsweise 3,50 Meter Breite gesperrt (ASTRA, Einschränkungen an Hauptreisetagen).
Die Regeln für Einzel- und Dauerbewilligungen sind umfangreich, und beim Transport selbst kommt einiges dazu. Gerne unterstützen wir Sie bei der Vorbereitung. Sprechen Sie uns an.
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